Känslan innan orden

Das Gefühl vor den Worten

Es beginnt immer im Körper.

Nicht in den Gedanken.
Nein.

Irgendwo viel tiefer – ein leichter Druck hinter dem Brustbein, eine Wärme, die zum Hals aufsteigt, vielleicht ein leichtes Kribbeln auf der Stirn. Ein Moment der Stille inmitten des Lärms. Du weißt vielleicht schon, was ich meine?

Es kann an den seltsamsten Orten passieren. Im Stau an einem Dienstag zum Beispiel, wenn das Radio etwas spielt, das du nie selbst ausgewählt hast – und doch spürst du es. Als ob die Luft um dich herum ohne Vorwarnung ihre Dichte ändern würde.

Als ob jemand deinen Namen flüsterte, obwohl der Raum leer war.

Oder in der Küche. Das Licht, das schräg über den Boden fällt, auf eine Weise, wie es sicher hundertmal geschehen ist – aber an diesem Morgen hältst du inne. Das Geräusch des Wasserkochers verschwindet. Alles verschwindet, außer diesem Druck in der Brust, der nichts und alles zugleich sagt. Während der Körper etwas weiß, das das Gehirn noch nicht erfahren hat.

Und dann – erwartest du eine Einsicht. Eine Erklärung. Das Puzzleteil, das sich einfügt. Aber stattdessen? Kommt nichts Großes.

Was kommt, ist leiser und viel kraftvoller: das Gefühl, dass du es bereits weißt.

Dass die Antwort schon lange in dir wohnt, begraben unter Jahren von Lärm, Leistungen und Erwartungen anderer.

Das dritte Auge – das sich ohne Vorwarnung im Stau, in der Küche, inmitten des völlig Gewöhnlichen öffnet – es öffnet sich, um dir den Heimweg zu zeigen.

Und jetzt?

Du tust nichts Dramatisches. Du buchst kein Retreat. Kaufst keine Kristalle.

Du sitzt dreißig Sekunden länger still als gewöhnlich. Du lässt das Gefühl einfach da sein, ohne es sofort in eine Aufgabe, einen Plan oder eine Geschichte darüber zu verwandeln, wer du bist. Du atmest ein. Du nimmst wahr. Und in diesem Raum – genau dort – beginnt sich etwas zu verändern.

Es ist die Linse, durch die du siehst, die sich verändert.

Das ist alles. Und das ist genug.

Bislang.

© by HerMine’s

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